prinzipien

Arbeitsprinzipien – Qualitätsstandards im Arbeitsfeld Streetwork

Die Arbeitsprinzipien bilden die theoretische Grundlage für die Streetworktätigkeit. Die Kundschaft, d.h. die Zielgruppe von Straßensozialarbeit, hat einen Anspruch auf Qualität. Streetwork muss fachliche Qualitätsstandards entwickeln und sich daran messen lassen.
Diese Standards müssen nicht nur eingehalten, sondern auch ständig verteidigt werden. Gerade Prinzipien wie „Freiwilligkeit" und „Verschwiegenheit" sind die Grundlage für Aufbau und Pflege eines vertrauensvollen und tragfähigen Kontaktes.
Die nun folgenden Arbeitsprinzipien wurden von einer Arbeitsgruppe der Landesarbeitsgemeinschaft Streetwork/Mobile Jugendarbeit Bayern e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jugendring erstellt.


fussspurLebenswelt- und Alltagsorientierung
Streetwork stellt für die AdressatInnen ein Angebot zur Verfügung, das auf deren individuelle Lebenssituationen abgestimmt ist. Hierzu ist eine differenzierte Lebenswelt- und Alltagskenntnis nötig, sowie eine Berücksichtigung der Möglichkeiten, Gewohnheiten, Lebensrhythmen, Ausdrucksformen, kulturellen und ethnischen Identitäten der AdressatInnen.
Streetwork erreicht dies durch kontinuierliches Aufsuchen und Anwesenheit an den Treffpunkten der AdressatInnen. Dazu zählen auch die personelle Kontinuität, die regelmäßige "Szenenpräsenz", sowie das Akzeptieren der Gastrolle für StreetworkerInnen.


fussspurVerschwiegenheit und Anonymität
Im Umgang mit Informationen der AdressatInnen gilt das Prinzip der Verschwiegenheit gegenüber Dritten, um den notwendigen Vertrauensschutz im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen zu gewährleisten (§35 SGBI und §65 SGB VIII). Personenbezogene Daten werden grundsätzlich nicht erhoben. Nur in Ausnahmefällen werden mit Einwilligung der AdressatInnen personenbezogene Daten erhoben und weitergegeben. Auf Wunsch können die AdressatInnen in der Beratung anonym bleiben.


fussspurNiedrigschwelligkeit
Zugangsmöglichkeiten und Erreichbarkeit aller Angebote müssen den Bedürfnissen und Möglichkeiten der AdressatInnen entsprechen, damit diese ohne Vorbedingungen und Vorleistungen in Anspruch genommen werden können.


fussspurFreiwilligkeit
Vertrauensvolle Zusammenarbeit ist nur auf der Grundlage von Freiwilligkeit möglich. Diese Freiwilligkeit umfasst, dass die Entscheidung über Kontakt und Folgen des Kontaktes den AdressatInnen zugestanden wird. Dies bedeutet auch, dass die MitarbeiterInnen von Streetwork nur über persönliche, keinesfalls über strukturelle Autorität akzeptiert werden.


fussspurAkzeptierende Haltung
Streetwork kann nur Zugang zu ihren AdressatInnen finden, wenn deren individuelle Vorstellungen, Lebensentwürfe und Strategien als gegeben akzeptiert und angenommen werden. Gerade dies ist die Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit ansonsten stigmatisierten und ausgegrenzten Personen. Akzeptierende Haltung schließt Kritik, mit dem Ziel eigenverantwortliches Handeln zu stärken, nicht aus.

fussspurParteilichkeit
Streetwork folgt in ihrer Arbeit den Interessen der AdressatInnen. Sie ist zuständig für Probleme, die die AdressatInnen haben und nicht für die Beseitigung der Probleme, die sie verursachen.


fussspurTransparenz
Offenheit und Ehrlichkeit sind im vertrauensvollen Umgang mit den AdressatInnen unverzichtbar. Verfahrensweisen von Streetwork werden offen gelegt und die Möglichkeiten der Angebote realistisch dargestellt.